Ein letzter Wunsch wird Wirklichkeit

Der Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes brachte das Ehepaar Wilkinson, Bewohner der DKV-Residenz in Münster, noch einmal in ihre Heimat nach Belecke, wo sie einen ganz besonderen Tag verlebten.

Von Birgit Lembeck

| 27. Oktober 2023

Von Birgit Lembeck

| 27. Oktober 2023

Marianne und Keith Wilkinson, 82 und 86 Jahre alt, sind seit 52 Jahren miteinander verheiratet und haben beschlossen, ihren Lebensabend gemeinsam in der DKV-Residenz am Tibusplatz zu verbringen. Dort sind sie vor einem Jahr eingezogen. „Gerade noch rechtzeitig,“ berichtet Frau Wilkinson, denn kurz darauf trat bei ihrem Mann eine Hirnblutung auf und er bekam die Diagnose Darmkrebs. Inoperabel. Seitdem lebt er im Pflegewohnbereich, räumlich getrennt von seiner Frau. Herr Wilkinson weiß, dass er nicht mehr lange zu leben hat und äußerte den Wunsch, noch einmal einen Tag in der alten Heimat zu verbringen. Die alte Heimat, das ist der kleine Ort Belecke im Sauerland, 100 Kilometer von Münster entfernt. Doch wie sollte das gehen? Herr Wilkinson ist auf den Rollstuhl und pflegerische Unterstützung angewiesen.

Die zündende Idee zur Realisierung seines Wunsches hatte seine Ärztin: der Wünschewagen Westfalen des ASB RV Münsterland e.V. Dies ist eine spendenfinanzierte Initiative, die begleitete Krankentransporte anbietet, um Menschen aus NRW ihre letzten Wünsche zu erfüllen. Dass die Fahrt klappte, war dann letztendlich Gamacairenwenjia Wild, Altenpflegehelfer im Pflegewohnbereich, zu verdanken, zu dem Herr Wilkinson ein besonders vertrauensvolles Verhältnis hat. Denn für den Transport im Wünschewagen war eine medizinisch geschulte Begleitung in diesem Fall zwingend erforderlich und Herr Wild war sofort bereit, sich den beiden Ausflüglern anzuschließen.

Keith Wilkinson und Gamacairenwenjia Wild (Altenpflegehelfer im Pflegewohnbereich)

 

Das angesteuerte Ziel in Belecke war das Elternhaus von Frau Wilkinson. Ein vertrauter Ort, an dem alles begann. Herr Wilkinson, Elektrotechniker aus Leeds/England, kam 1963 nach Deutschland und arbeitete ab 1965 in dem ortsansässigen AEG-Werk. Er wohnte zur Untermiete bei seiner späteren Schwiegermutter. Und so nahm – mit kleinen Verwicklungen und Komplikationen wie in einem Pilcher-Film – alles seinen schönen romantischen Lauf. Als er ihr sechs Jahre später einen Heiratsantrag machte, sagte sie: „Ich dachte, Du fragst mich nie!“ Dann folgte sie ihm nach London, Manchester, Erlangen und sogar in die Schweiz. 2001 ging das Paar dann zurück nach Belecke. Dort verbrachte es die meiste gemeinsame Lebenszeit mit vielen alten und auch noch sehr frischen Erinnerungen.

Viele Nachbarn kamen am Ausflugstag vorbei, brachten Kürbissuppe und Kuchen mit. „Die waren wohl neugierig, die Nachbarn,“ meinte Herr Wilkinson trocken-humorig, und „Wissen Sie eigentlich, wie herrlich Kürbissuppe schmeckt?“ Er war sichtlich emotional gerührt von diesem schönen Tag. Am Abend waren sie wieder wohlbehalten zurück in Münster. Innerlich noch ganz aufgedreht und dabei nun räumlich voneinander getrennt voneinander, konnten beide nicht in den Schlaf finden. Sie telefonierten mehrmals miteinander hin und her, schließlich verließ Frau Wilkinson ihr Bett und verbrachte die Nacht im Lehnstuhl neben dem Bett ihres Mannes.

 

 

 

 

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